Ein professionelleres Vorstellungsgespräch habe ich bisher noch nie erlebt. Leider fehlte diese Professionalität beim Abschluss.
Trotz 35 Grad Hitze war der Gesprächspartner fokussiert und sehr interessiert mich als zukünftigen Mitarbeiter zu gewinnen.
So wünscht es sich jeder Bewerber.
Es wurde offen auf Fragen, den Strategiewechsel weg vom Wachstum der vergangenen Jahre und zukünftige Entwicklungen innerhalb der Firma geantwortet. Ich hatte den Eindruck, dass die Firma weiß, dass möglicherweise weitere Umstrukturierungen anstehen, wenn die bereits eingeleiteten Maßnahmen nicht zum Jahreswechsel greifen.
Leider hat der Gesprächspartner meinen Gehaltswunsch wohl als Abwehrangebot aufgefasst. Und das obwohl ich den in allen Gehaltsreports dargelegten Durchschnittspreis und sogar mein letztes Gehalt als Wunsch genannt habe. Unter Berücksichtigung von Merkmalen wie Handelsbranche, mehr als 1000 MA, 140 Filialen, seit Jahren > 100 Mio Umsatz, in mehreren Ländern Tochtergesellschaften und den Informationen aus dem Gespräch war selbst dieser Preis unterdurchschnittlich niedrig.
Anstatt nun auf Gehalt, Gehaltsbestandteile oder ähnliches einzugehen, wurde ich nun in der 50. Minute des auf 60 Minuten angesetzten Gespräches gebeten meinen Lebenslauf kurz darzulegen. Sehr schade. Der Gesprächspartner brauchte wohl etwas Zeit, um sich eine Stressfrage zu überlegen und die letzten 10 Minuten zu überbrücken. Die dann folgende Stressfrage hätte er sich sparen können. Sie war mehr als unverschämt und aus den Bewerbungsunterlagen ging genau das Gegenteil hervor.
Es gilt die alte Handelsregel:
Jeden Tag steht ein Dummer auf. Und es gibt immer einen, der es billiger macht.
Stimmt!
Jedoch suchen solche Unternehmen, wie auch hier, spätestens alle 6 Monate jemanden für die gleiche Position.
Zum Glück gibt es mittlerweile die öffentlichen Portale in denen auf diese Praktiken hingewiesen werden kann.
Mein Opa formulierte diese Handelsregel etwas anders:
Ich bin nicht reich genug, um alles zwei- oder dreimal zu kaufen.